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Die Badmayevs
Sultim
Sultim Badma, ein burjatischer Mönch und tibetischer Arzt aus Ostsibirien, kommt 1857 im Gefolge von General Muravyev-Amursky nach St. Petersburg. Muravyev-Amursky hat ihn eingeladen, in der Hauptstadt des Zarenreiches eine Praxis zu eröffnen. Das russische Heer Muravyev-Amurskys war in Sibirien von einer Typhus-Epidemie heimgesucht worden. Dem in der Not zu Hilfe gerufenen Sultim Badma war es gelungen, diese erfolgreich zu bekämpfen.
Die naturwissenschaftliche Schulmedizin steckt zu jener Zeit noch in den Kinderschuhen. Bis zur Entdeckung des Penicillins wird es noch 80 Jahre dauern. Dass Sultim Badma erfolgreich eine Typhus-Epidemie bekämpft hat, weckt viele Hoffnungen, zumal Typhus und Tuberkulose in Europa grassieren.
In der Hauptstadt des Zarenreichs lässt sich Sultim auf den Namen Alexander Aleksandrovich Badmay?ev taufen. Er betreibt eine Apotheke in St. Petersburg. Auf Geheiss Zar Alexanders II. wird der burjatische Arzt auf die Probe gestellt. Unter Aufsicht der Ärzte des Militärhospitals in St. Petersburg soll er seine Methoden gegen Tuberkulose unter Beweis stellen und nur im Falle eines Erfolgs die Bewilligung erhalten, in Russland zu praktizieren. Sultim erhält die Bewilligung und holt bald darauf seinen jüngeren Bruder, Shamsaran, zu sich. Auch Shamsaran wird russisch-orthodox getauft und heisst fortan Pyotr Aleksandrovich Badmayev.

Pyotr Aleksandrovich Badmayev
Es ist die Zeit des «Great Games»: Russland und Grossbritannien streiten sich verdeckt um Einflusssphären in Asien. Pyotr beginnt, sich politisch zu engagieren. Viele Legenden ranken sich in der Folge um ihn. Er wird zu einer bekannten und umstrittenen Figur. Pyotr bewegt sich in der High Society der Hauptstadt. Er erhält vom Zarenhof Geld, um in Burjatien eine Handelsniederlassung für den Handel mit Tibet aufzubauen. Er macht sich in einem Brief an den Zaren sogar für eine «sanfte» Annexion Tibets und der Mongolei stark.
Zwei Neffen von Pyotr, Nikolai Nikolayevich und Vladimir Nikolayevich, kommen in die Hauptstadt und lernen bei Pyotr tibetische Medizin. Beide studieren parallel auch westliche Medizin an der Militärakademie.
Nach der Oktoberrevolution 1917 wird die Nähe zum Zarenhof für die Badmayevs zur Hypothek. Pyotr wird mehrmals verhaftet und stirbt kurz nach seiner Freilassung 1920. Pyotrs zweite Frau, Elisaveta Fyodorovna, und Nikolai Nikolayevich bleiben in Russland. Vladimir Nikolayevich emigriert nach Polen.

Nikolai Badmayev
Einige Jahre lang sieht es nach der Revolution danach aus, als würde in Russland eine neue Blüte der tibetischen Medizin und des Buddhismus möglich. Es bildet sich eine Bewegung, die durchaus bereit ist, Buddhismus mit sozialistischen Ideen zu verbinden. Die klösterlichen Medizinschulen in Burjatien sollen zu sekulären Schulen werden und auch Laien und Frauen offen stehen.
Nikolai Nikolayevich setzt sich mit viel Energie für eine Anerkennung der tibetischen Medizin ein. Dennoch entwickelt sich die Situation je länger je mehr zu einem Tanz auf dem Vulkan. Die Klöster in Burjatien werden verstaatlicht, die Mönche werden als «parasitäre Subjekte» eingestuft und müssen ihren Lebensunterhalt durch Landarbeit verdienen. 1938 werden die meisten Exponenten der Bewegung verhaftet, so auch Nikolai Nikolayevich. Die tibetische Medizin wird offiziell verboten. Letztlich stehen tibetische Medizin und Buddhismus der sowjetischen Vorstellung von Moderne entgegen.
In den späten 50er Jahren, nach Stalins Tod, beginnen zaghafte Wiederbelebungsversuche. Eine andere, sowjetische tibetische Medizin soll es sein: ohne Philosophie und Religion, ganz den Methoden und dem Geist der Naturwissenschaften verpflichtet.

Vladimir Badmajeff
Der andere der beiden Neffen Pyotrs, Vladimir, wandert nach der Revolution nach Polen aus. Vladimir macht eine steile Karriere im Exil und wird zum Leibarzt zweier polnischer Präsidenten. Er stirbt 1961. Vladimirs Sohn Peter, auch er Arzt von Beruf, trifft in den 60er Jahren den Schweizer Pharmaunternehmer Karl Lutz. Eine Zusammenarbeit beginnt und Karl Lutz baut die Firma Padma AG auf, die auf der Basis der Badmayev-Rezepte tibetische Medikamente herzustellen beginnt. Die Zeit ist reif dafür: im Westen wächst das Bedürfnis nach Alternativen zur Schulmedizin. Verschiedene Forscher beginnen mit einer naturwissenschaftlichen Untersuchung tibetischer Arzneien. Biomedizinische Studien über die Wirksamkeit der Badmayev-Formeln werden publiziert und geben Karl Lutz auftrieb. «Padma 28» wird schliesslich als erstes tibetisches Medikament in der Schweiz zugelassen.

Weiter: Die Grundlagen der tibetischen Medizin
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